Sonntag, 31. Jänner 2010
BRONZE für Island durch 29:26-Sieg gegen Polen

credit: Silvio Ferrari
Island feiert eine Premiere. Zum ersten Mal haben die Skandinavier eine Medaille bei einer Handball-Europameisterschaft gewonnen. Die Isländer, die 2002, beim EM-Turnier in Schweden, Platz vier belegt hatten, besiegten Sonntag Nachmittag in der ausverkauften Wiener Stadthalle in einem nur am Ende spannenden Spiel um Platz drei Polen mit 29:26 (18:10). Der Olympia-Silber-Medaillengewinner holte damit erstmals EM-Bronze.
Im Handball genügt es, wenn man ein Mal in Führung liegt – am Ende. Die Polen aber, denen die 21:24-Halbfinal-Niederlage gegen Kroatien noch in den Knochen zu stecken schien, führten am Anfang. Mit 1:0.
Dann übernahm Island das Kommando, führte rasch mit 4:1.Baute den Vorsprung Tor um Tor aus. Sechs Tore plus in Minute 20 (12:6), erstmals ein Acht-Tore-Polster in Minute 26 (8:16). Vor allem Gudjon Valur Sigurdsson (7 Treffer vor der Pause) bot eine überragende Leistung.
Doch Polen gab sich nach dem Wechsel nicht damit zufrieden, dass der Gegner die Medaillen schon in der Tasche zu haben schien. Dank des wieder eingewechselten und sehr starken Keepers Slawomir Szmal, als bester Tormann ins All-Star-Team des Turniers gewählt, kam Polen näher und näher. Island gelang acht Minuten lang kein Treffer – Polen holte von 12:20 auf 18:20 auf. Doch die Aufholjagd war nur fast perfekt, bei 25:26 (in Minute 56) war die Aufholjagd zu Ende. Nicht zuletzt dank des eingewechselten isländischen Reservekeepers Hreidar Gudmundsson durften am Ende die Skandinavier – gemeinsam mit Maskottchen Magic – ihre erste EM-Medaille feiern.
Polens Teamchef Bogdan Wenta: „Island war die bessere Mannschaft, sie haben sehr gut gespielt. Wir haben nur 30 Minuten gespielt – das ist im Handball zu wenig.“
Spieler Slawomir Szmal: „Wir haben in der ersten Halbzeit in der Deckung zu wenig aggressiv gespielt, wir haben nicht ins Spiel gefunden und im Gegenstoß einfache Tore bekommen. Island war besser. In der zweiten Hälfte war es umgekehrt – für uns jedoch war es letztlich zu wenig.“
Spieler Piotr Wyszomirski, der zweite Tormann: „Wir haben das Spiel um Platz drei schon in der ersten Hälfte verloren. Szmal hätte uns beinahe zugebracht. Ich hoffe, wir können beim nächsten Turnier zeigen, was wir wirklich können.“
Islands Teamchef Gudmundur Gudmundsson: „Wir haben zu Beginn des Turnier, gegen Serbien und Österreich, Punkte abgegeben. Ab dem Sieg gegen Dänemark war die EM für uns ein komplett anderes Turnier. Gegen Polen haben wir Handball-Geschichte geschrieben, ein neues Kapitel im isländischen Sport aufgeschlagen: Wir haben bei zwei Turnieren in Folge, in Peking und hier, Medaillen gewonnen. Ich bin sehr stolz.“
Spieler Olafur Stefansson: „Szmal war ein Wahnsinn. Er hat uns in der 2. Hälfte unsicher gemacht – aber am Ende haben wir doch noch gewonnen. Entscheidend war die Defensive und die Gegenstöße.“
Spieler Gudjon Valur Sigurdsson: „Ich bin sehr glücklich. Ich glaube, ganz Island ist stolz auf uns, dass wir es nach der gestrigen Niederlage geschafft haben, zurück zu kommen.“